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Tanja Neubauer, Heilpraktikerin für Psychotherapie Ganghoferstraße 80 | 81373 München info@kinesiologie-muenchen.de 089 / 48 00 40 99

Wenn Lernen zum Stress wird – Warum viele Kinder nicht „einfach so“ lernen können (und was Eltern oft übersehen)

Ein Thema, das viele Familien betrifft – besonders dann, wenn Kinder von der Grundschule auf eine weiterführende Schule wechseln.
Plötzlich wird erwartet, dass sie lernen können – dass sie sich organisieren, Inhalte einprägen, Hausaufgaben strukturieren, für Tests lernen.
Und oft erlebe ich dann: Kinder verweigern sich.
Nicht, weil sie faul oder desinteressiert wären, sondern weil sie gar nicht wissen, wie Lernen eigentlich geht.

Was dann passiert, ist fast schon klassisch: Eltern geben Ratschläge – gut gemeint, aber oft aus der eigenen Kindheit heraus.
„So hab ich das früher gemacht“, heißt es dann. Oder: „Setz Dich hin und wiederhol das einfach nochmal.“
Doch das Problem daran: Nicht jeder Mensch lernt gleich.
Und was für uns als Kind „funktioniert“ hat (oder zumindest funktioniert musste), ist nicht automatisch der richtige Weg für unser eigenes Kind.

Lernen ist individuell – und das ist keine Schwäche

Jeder Mensch hat seinen eigenen Lernstil. Manche Kinder lernen übers Bewegen, andere brauchen Farben, Struktur oder Ton, wieder andere müssen sprechen oder schreiben, um etwas zu verankern.

Ein Kind, das während des Lernens den Ball hochwirft oder durch den Raum hüpft, ist nicht unkonzentriert – sondern braucht Bewegung, um das Gelernte zu verarbeiten.
Doch genau das ist für viele Eltern eine Herausforderung.
Denn wir haben oft noch das Bild im Kopf: „Lernen heißt: am Tisch sitzen, still sein, konzentrieren.“

Aber was, wenn genau dieses starre Setting für das eigene Kind überhaupt nicht passt?
Was, wenn das Kind durch das Bewegen erst in den Fluss kommt?

Beispiele für unterschiedliche Lernwege

  • Ein Kind nimmt sich die Vokabeln auf und hört sie sich beim Spazierengehen an.
  • Ein anderes deckt die Antworten ab und macht sich kleine Abfrage-Spiele.
  • Manche unterstreichen, schreiben bunt, kleben Zettel an Fenster oder Spiegel.
  • Wieder andere lernen durch lautes Sprechen, Nachspielen, Bewegung oder Kombinationen von mehreren Methoden.

Wichtig ist: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Und: Lernen muss nicht gleich aussehen, um effektiv zu sein.

Wenn das eigene Schultrauma dazwischenfunkt

Was ich auch oft beobachte: Eltern bringen unbewusst ihre eigenen Schulerfahrungen mit in die Hausaufgabensituation.
Wer selbst unter Mathe gelitten hat, erlebt oft genau da mit dem eigenen Kind inneren Stress.
Und dieser Stress überträgt sich – selbst wenn man bemüht ist, ruhig zu bleiben.
Manchmal hilft es da, wenn der andere Elternteil übernimmt. Oder jemand außerhalb der Familie.
Denn das Kind spürt alles. Und Druck oder alte Ängste helfen niemandem beim Lernen.

Mein Tipp aus der Praxis

Wenn Sie merken, dass es beim Lernen regelmäßig kracht, sich Frust aufbaut oder Sie selbst getriggert sind, kann es sehr hilfreich sein, zuerst bei sich selbst hinzuschauen.
Manchmal kommen Eltern auch zu mir, ohne das Kind – einfach um ihren eigenen Stress rund um Schule, Leistung, Versagen oder Druck aufzulösen.
Und oft zeigt sich: Wenn sich bei den Eltern etwas verändert, kann das Kind plötzlich durchatmen und findet seinen eigenen Zugang zum Lernen viel leichter.


💡 Fazit:
Lernen ist nicht nur Kopfsache – es ist Körper, Gefühl, Bewegung, Erfahrung.
Und manchmal braucht es weniger Druck und mehr Verständnis dafür, wie das eigene Kind tickt.

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